Neue Achter verstärken das Team, sie werden gerade eingearbeitet. Zuvor mussten sie ein Bewerbungsverfahren durchlaufen.

„Auszeit“ bereitet Umzug und Erweiterung vor

Sie haben sich mit ihren Bewerbungsschreiben richtig Mühe gegeben, schließlich ging es um etwas. Um einen Platz in der Schülerfirma „Auszeit“ der Gesamtschule. Dort regeln Neuner- und Zehner- Schüler das operative Geschäft. Weil immer wieder Ältere ausscheiden, müssen Jüngere nachrücken. 20 Plätze waren aktuell neu zu vergeben. Rund 50 Achtklässler zeigten Interesse.

„Wenn sie hören, dass man eine Bewerbung einreichen muss, trennt sich schon die Spreu vom Weizen“, sagt Lehrer Jörg Klose. 30 Schüler ließen sich davon nicht abschrecken und warfen ihren Hut in den Ring. „Wir haben dann Bewerbungsgespräche geführt“, erläutert Ben Branse. Der Schüler ist Vorstandsvorsitzender der „Auszeit“. Hört sich wichtig an – und ist es auch „Er ist der Chef. Ben regelt alles“, sagen die anderen schmunzelnd.

In die Entscheidung darüber, wer letztlich genommen wurde, war maßgeblich die eigens gegründete Personalabteilung der Schülerfirma eingebunden. „Das machen die Schüler alles eigenständig“, sagt Klose. Man habe weitgehend freie Hand, ergänzt Schüler Tillian Borchmann. Es gebe einen Aufsichtsrat. „Der schaut uns ein bisschen über die Schultern.“

Seit rund zwei Monaten sind die neuen dabei. „Wir zeigen ihnen nun alle Bereiche der Firma“, sagt Ben. Einkauf, Marketing, Buchhaltung, Personal, Vorstand – wie in einer echten Firma. Rund 60 Schüler sind derzeit aktiv und helfen mit, dass alles läuft. Einkäufe müssen erledigt, Rechnungen bezahlt, Flyer entworfen werden. Und, und, und . . .

Die Schüler opfern ihre Pausen und bisweilen auch einen Teil ihrer Freizeit. Während ihre Mitschüler chillen oder mit dem Handy daddeln, stehen sie hinter dem Verkaufstresen, machen die Abrechnung, sorgen für Waren-Nachschub. „Weil die Arbeit hier Spaß macht“, sagt Mia Brune. Man könne wichtige Erfahrungen sammeln und lerne neue Leute kennen. „Man bekommt Einblick in die Abläufe einer Firma und lernt wirtschaftliches Denken kennen“, sagt Tillian. Mitschüler Finn Rüschenschulte bereitet gerade am PC ein paar Buchungsvorgänge vor. „Falls ich so etwas später mal beruflich machen möchte, habe ich schon Grundkenntnisse“, sagt er. Und die Schüler wissen: In einer Bewerbung schadet es nicht, auf ein Engagement in einer Schülerfirma zu verweisen.

Die Genossenschaft ist gesund, der Kiosk-Betrieb trägt sich selbst. Bei einem Voting (www.spardaspendenwahl.de) hofft die Schule auf einen Geldpreis.

Denn bald steht der nächste große Schritt bevor: Die Firma zieht in die bisherige Mensa um (die dank Neubau frei wird). Dort soll ein Schülercafé eröffnet werden, das täglich von 9 bis 15 Uhr geöffnet hat. Neue Möbel sollen bis zu 120 Schülern Platz bieten. Der Kiosk-Betrieb läuft am neuen Standort weiter, das Café kommt hinzu. „Das Ziel ist es, nach den Herbstferien an den Start zu gehen“, sagt Ben.

Quelle: Grevener Anzeiger, 30.05.2019

 

Zurück