Das Pausen-Business

Wirtschafts- und Finanzthemen sind unter Jugendlichen nicht gerade angesagt. Leider. Denn ein gutes Wissensfundament in diesem wichtigen Feld kann das Erwachsenenleben um vieles leichter gestalten. Die Schülergenossenschaft „Auszeit eSG“ der Nelson-Mandela-Gesamtschule in Greven zeigt, wie spannend das Thema ist, wenn man live erlebt, wie Wirtschaft funktioniert. Mit dabei: die Volksbank Greven eG als Ratgeber und Unterstützer.

Sie heißen Tillian, Jessica, Finn, Philipp, Clemens, Caroline, Ben, Lea und Steven, sind zwischen 15 und 18 Jahre alt und führen bereits ein Unternehmen – den Schulkiosk der Nelson-Mandela-Gesamtschule. Ihre Aufgaben: Marketingstrategien entwickeln, den Einkauf von Lebensmitteln koordinieren, den Verkauf organisieren, die Buchhaltung führen. Ihr Jahresgehalt: ein dreigängiges Menü am Ende eines jeden Schuljahres, oder, sagen wir besser, Geschäftsjahres.

Jeder im Team hat seine Aufgabe. Tillian und Philipp sind für den IT-Bereich inklusive Social Media zuständig. Finn ist ganz gut in Mathe und somit natürlich prädestiniert für die Buchhaltung. Clemens verantwortet das Marketing und hat schon festgestellt, dass das später eher nichts für ihn ist – auch eine Erfahrung, die einen jungen Menschen bei der Berufswahl weiterbringt. Caroline verantwortet den Einkauf der Getränke: „Die bestelle ich per Whats- App direkt beim Getränkehändler. Für den Einkauf von Brötchen, Käse und Wurst sind jeweils andere Schüler verantwortlich.“ Die Produkte stammen übrigens größtenteils aus einem Bioladen, in jedem Fall aber von Erzeugern aus der nahen Umgebung.

Die Firma läuft in den Pausen von 10 bis 10.20 Uhr und von 12.25 bis 13.25 Uhr. Zur Vorbereitung des Verkaufs dürfen die „Auszeit eSG“-Mitarbeiter sogar fünf Minuten vor allen anderen den Unterricht verlassen. In der Pause verkaufen die Schüler dann ihre Produkte: belegte Brötchen, Joghurt und diverse Getränke. Zum Ende jeder Pause übernimmt dann das Tagesteam die Abrechnung. Zahlen können die Schüler übrigens seit Neuestem sogar per girocard – dank eines extra von der Volksbank Greven eG zur Verfügung gestellten Terminals. Projektpatin Veronika Westhoff: „Die Jugendlichen können künftig auch Kleinstbeträge mit Karte zahlen. Es gehört auch zur finanziellen Bildung, dass Schüler sich mit digitalen Bezahlmöglichkeiten auseinandersetzen.“

Veronika Westhoff ist Firmenkundenberaterin der Volksbank Greven eG und von Beginn an bei dem Projekt mit von der Partie. Mit ihr wurden zu Beginn die Vor- und Nachteile der einzelnen Rechtsformen diskutiert. Aus naheliegenden Gründen entschied man sich für die Form der Genossenschaft: Das Solidaritätsprinzip und die Tatsache, dass jeder Genosse und jede Genossin bei wichtigen Entscheidungen eine gleichberechtigte Stimme hat, gaben dafür den Ausschlag. Danach mussten die Mitarbeiter des neuen Unternehmens zunächst eine Fortbildung besuchen, um das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu bekommen. Obendrauf gab es noch etwas Startkapital von der Volksbank. Seit etwas mehr als drei Jahren wirkt die „Auszeit eSG“ mittlerweile erfolgreich am Markt. So erfolgreich, dass mittlerweile eine Expansion sowie ein Schülercafé mit gemütlicher Sitzecke geplant ist. Die Hälfte der Fläche der alten Mensa steht den Schülern hierfür zur Verfügung.

So viel ist klar: Die Erfahrungen, die die Mitglieder der Schülergenossenschaft „Auszeit eSG“ in Greven jeden Tag sammeln, wird man so praxisnah aus BWLund VWL-Lehrbüchern nicht vermittelt bekommen – inklusive der etwas nervigen Angelegenheiten. Denn wer dachte, bei einer Schülergenossenschaft sei man in puncto Kontrolle auf der sicheren Seite, der irrt. Wie jedes normale Unternehmen wird auch die „Auszeit eSG“ regelmäßig einer Betriebsprüfung unterzogen. Durchgeführt wird diese von einem echten Profi – einem pensionierten Betriebsprüfer. Lehrer Jörg Klose ist ebenfalls von Beginn an Teil des Projektes. Gemeinsam mit Schulleiter Ingo Krimphoff präsentierte er die Idee einer Schülergenossenschaft damals bei der Volksbank Greven eG – und lief dort offene Türen ein. „Wir haben das Glück gehabt, dass die Bank unsere Idee toll fand und uns sofort unterstützt hat. Ohne Genossenschaftsbank würde das Projekt nicht funktionieren.“

Die Erfahrungen der Volksbank Greven eG mit den Schülerinnen und Schülern der „Auszeit eSG“ zeigen, dass es nicht schwer ist, Jugendliche mit einem spannenden, realitätsbezogenen Projekt an Wirtschafts- und Finanzthemen heranzuführen. Leider gibt es hier noch großen Nachholbedarf. Dies bestätigte erst kürzlich eine Umfrage des Deutschen Institutes für Altersvorsorge (DIA), gemeinsam durchgeführt mit dem Meinungsinstitut INSA. Kurz gesagt, erteilte sie der Finanzbildung an Schulen die Note „mangelhaft“. Die Zahlen dazu:

  • 13 % der befragten Schüler gaben an, eine gute Finanzbildung in der Schule erhalten zu haben
  • 67 % waren der Ansicht, Finanzbildung werde zu wenig und zu schlecht betrieben
  • 56 % gaben selbstkritisch an, das Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Finanzbildung sei zu gering
  • 54 % der Befragten fanden, die Schule sei ein geeigneter Ort für die Finanzbildung von Jugendlichen

Jugendliche und junge Erwachsene wünschen sich bei Finanzthemen Ratschläge und Tipps mit stärkerem Bezug zu ihrem persönlichen Leben. Diese Botschaft kristallisierte sich ganz eindeutig in der öffentlichen Diskussion um den aufsehenerregenden Tweet der Kölner Schülerin Naina heraus. Wie aber können wir als Finanzpartner der Menschen vor Ort Unterstützung leisten? Indem wir ganz konkrete Hilfe für alle Lebensphasen geben: mit unserem genossenschaftlichen Grundgedanken, und als regional orientierte Banken kommen wir diesem Anspruch bereits heute an vielen Stellen nach.

Unsere drei Volksbanken sind mit verschiedenen Schulen in der Region vernetzt und bieten – von Fachvorträgen bis zu Bewerbertrainings – vielfältige Angebote für Schülerinnen und Schüler an. Unser Ziel: junge Menschen für die finanziellen und beruflichen Anforderungen der Zukunft fit machen! Dieses Engagement wollen und werden wir ausweiten.

Bereits heute gestalten wir für Schülerinnen und Schüler Vorträge und Workshops zum eigenverantwortlichen Umgang mit Geld und Verträgen, erklären die Nutzung von Finanz-Apps und Online- Banking, informieren über staatliche Fördermöglichkeiten, Finanzprodukte und Versicherungen und zeigen mögliche Wege in die eigenen vier Wände auf. Abgerundet wird unser Angebot durch eine gezielte Unterstützung zur Berufsorientierung. Bewerbungstrainings und Übungen zur Vorbereitung auf Assessment-Center erleichtern den Schülerinnen und Schülern den Einstieg in das Berufsleben. Über Betriebserkundungen und Praktika werden wir jungen Menschen auch zukünftig als Volksbank Münsterland Nord die Gelegenheit bieten, einen Einblick in die vielseitigen Berufsfelder innerhalb unseres Unternehmens zu erlangen.

Im Rahmen der Kooperation unserer Banken haben wir uns zur Zusammenarbeit mit Schulen ausgetauscht und darüber nachgedacht, wie wir noch mehr für junge Menschen erreichen können. Für uns steht fest: Jungen Menschen in unserer Region können wir mit vereinten Kräften einen noch größeren Mehrwert bieten! Daher werden wir sowohl unser Angebotsspektrum als auch die Vernetzung mit Schulen zukünftig weiter ausbauen.

Das Erfolgsprojekt der Schülergenossenschaft „Auszeit eSG“ der Volksbank Greven eG ist nur ein gutes Beispiel dafür, wie man junge Menschen mit einer spannenden Idee für Wirtschaftsthemen begeistern kann. Dieses wichtige Thema wird auch in der fusionierten Bank einen hohen Stellenwert in der Zusammenarbeit mit regionalen Schulen erhalten.

 

Seit dem Jahr 2011 gibt es in Nordrhein-Westfalen Schülergenossenschaften (eSG) – eigenverantwortlich geführte Schülerunternehmen in Genossenschaftsform. Die beteiligten Schüler erarbeiten eigene Geschäftsideen, Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe, schreiben den Businessplan und entwickeln die Satzung ihrer Genossenschaft.

 

Bericht aus hoch3-Magazin der VR-Bank

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